Selbsteinschätzung vs. Außenwahrnehmung oder: In der Ruhe liegt die Kraft

Heute ist mir etwas unglaublich Schönes passiert. Wie so oft bin ich auf meiner Runde mit den Hunden am Training einer anderen Hundeschule vorbei gelaufen. Und wie so oft fand Willi es total uncool, dass auf dieser Welt auch andere Hunde existieren während seine Welt gerade am Ende der Leine aufhört. Auf gut deutsch: Er hing in der Leine und kläffte, was das Zeug hält. Ich kenne das inzwischen ja und hatte es in dieser Situation nicht anders erwartet, zumal er gerade völlig zurecht sehr angespannt war. In der gleichen Sekunde, in der wir die Hunde erblickten, kam nämlich von hinten auch noch ein freilaufender Hund auf uns zugestürmt, dem die wilden Rufe seines Frauchens leider egal waren...Willis Antwort auf sein zu nahe kommen dann aber zum Glück nicht und er ist mit wehenden Fahnen umgekehrt. Dennoch war das für meinen Stress-Hund zu viel, einer von hinten, einer stand an der Seite, einer auf der anderen Seite und dann noch dazu zwei vorne. In dem Moment konnte ich ihn sogar verstehen ;-)
Ich habe den kleinen Mann ruhig an mich rangeholt, habe versucht mit einem Kommando sein Frontalhirn ein wenig anzuwerfen, um ihn vom Chaos, das sein Mittelhirn gerade verursachte, abzulenken und bin Schritt für Schritt weiter gelaufen. Er konnte sich auch beruhigen und nach ein paar Pausen in denen wir das ruhig an mich rankommen wiederholt haben, konnten wir dann gemütlich weiterlaufen. Als ich mich nochmal umdrehte, weil ich gehört hatte, wie die 2 Frauen, die auf einer Bank auf ihren Einsatz im Apportierkurs ihrer Hundeschule warteten, miteinander zu sprechen angefangen hatten, sah ich, wie sie mir hinterherschauten. Auf meinen fragenden Blick strahlte eine der beiden mich an und sage "Wahnsinn, wie ruhig Sie bleiben!!" und ließ sich ihre Aussage von der anderen Frau bestätigen. Was die junge Frau nicht wissen konnte: In diesem Moment hat sie mir das schönste Kompliment gemacht, das man mir nur machen kann. Das war zwischen Willi und mir nicht immer so und wie man vorangegangenen Blog-Einträgen entnehmen kann, schaffe auch ich es nicht immer, die Situation so anzunehmen wie sie eben ist. Und vor allem schaffe auch ich es in diesen Augenblicken nicht immer, selbst zu erkennen, dass es gerade genau richtig ist, was ich tue. Aber dank solchen Menschen, die mir vor Augen führen, wie die Situation von außen wirkt, weiß ich in genau solchen Momenten wie diesem wieder, warum ich das alles mache. Warum ich Willi nie aufgegeben habe, warum ich einen Grund habe, an mich selbst zu glauben und warum es sich lohnt, seinen Hund jeden Tag mit neuen Augen zu sehen und warum es unglaublich wichtig ist, niemals die Rückschritte die Freude über die Fortschritte überschatten zu lassen. Und vor allem, warum ich Hundetrainerin geworden bin. Ich wünsche mir genau diese Erfolgserlebnisse und Glücksmomente auch für andere Menschen, die einen schwierigen Hund besitzen und die vielleicht im Moment noch nicht daran glauben können, dass es Hoffnung gibt. :-)

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Kommentare: 2
  • #1

    Margot (Freitag, 15 Februar 2019 19:16)

    Liebe Ivy, Du machst auch mir Mut und ich finde es ganz toll, wie Du das beschreibst.
    Danke

  • #2

    Yvonne (Freitag, 15 Februar 2019 20:16)

    Danke Margot, das freut mich!